Schall - Beugung

Beugung

Beugung findet immer dann statt, wenn der geradlinigen Ausbreitung der Schallwelle ein Hindernis entgegensteht. Hinter dem Hindernis entsteht ein Schallschatten. Der Schall beugt sich aber, abhängig von seiner Frequenz und den Abmessungen des Hindernisses, auch hinter dieses. Dadurch kann die Quelle auch dann gehört werden, wenn das Hindernis die Sicht auf diese verstellt (Görne 2006, 45).

Abbildung 5.5.1: Beugung bei tiefen Frequenzen(DEGA Empfehlung 101, S.43)
Abbildung 5.5.1:

Beugung bei tiefen Frequenzen

Abbildung 5.5.2: Beugung bei hohen Frequenzen(DEGA Empfehlung 101, S.43)
Abbildung 5.5.2:

Beugung bei hohen Frequenzen

Beugung ist im Falle des auf dieser Website beschriebenen Aufnahmeraumes beispielsweise interessant, wenn ein Gobo (Schallschirm) gebaut wird. Das sind Stellwände auf Rollen die zum Beispiel bei einer Aufnahme mehrerer Musiker zwischen diese gestellt werden können und die verhindern sollen, dass zu viel Schall des einen Musikers in die Mikrofone des anderen gerät. Das Ziel ist in diesem Fall eine bessere akustische Trennung der Einzelquellen. Aber auch einfach nur zusätzliche Absorption oder Streuung, kann damit leicht in der Nähe der Schallquelle erreicht werden.

Die Mathematik zur Berechnung der Pegelminderung durch Lärmschutzwände wäre hier wohl zu viel des Guten. Auch haben die Recherchen nur Berechnungen für Lärmschutzwände an Straßen und Schienen ergeben. Eine einfache Verwendung für die beschriebenen Stellwände wäre vermutlich nicht sinnvoll, da durch die Reflexionen über die Wände des Raumes zusätzlicher Schall zum Empfänger geleitet wird, was den Schallschirm sozusagen, bezogen auf die Berechnungsformeln im Freifeld, teilweise kurzschließt. Prinzipiell gilt aber: je näher der Schallschirm an der Quelle und/oder dem Empfänger steht, desto wirksamer ist er. Das Verhältnis zwischen dem Umweg um den Schirm und dem direkten Weg durch den Schirm, bestimmt den Schirmwert. Der Schirm selbst muss Schalldämmmaße besitzen, die der Pegelminderung durch die Abschattung entsprechen, da sonst der Schall direkt durch den Schirm zur Quelle dringen kann und nicht erst außen herum muss (Müller/Möser 2004, S.515f). Im Endeffekt wird ein solcher Schirm immer zu klein sein, um eine Quelle komplett abzuschatten, doch durch die Minderung der hohen Frequenzen kann zum Beispiel schon verhindert werden, dass transiente (hochfrequente, perkussive) Signale zeitverzögert aber fast gleich laut von zwei Mikrofonen aufgenommen werden. Dies macht die Trennung verschiedener Instrumente im Mix einfacher.